Alumni-Porträts

Auf dieser Seite finden Sie bibliografische Informationen zu Ehrenvorsitzenden und Ehrenmitlgiedern unseres Alumni-Clubs.

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Ehrenvorsitzender

PD Dr. med. Bernhard Arlt (1938 - 2016)

Schon bald nach der Wiedervereinigung nahm der Chirurg und Chefarzt aus Oberhausen, 

Bernhard (Bernd) Arlt, Kontakt zu seiner alten Alma mater Berolinensis und zu seinen ehemaligen Berliner Kommilitonen auf. Er wurde zum Initiator und Spiritus Rector für Treffen von Medizinern aus Ost und West, die an der Berliner Charité studiert hatten.

Als im März 2003 der Alumni-Club der Charité in der historischen Virchowschen Hörsaalruine gegründet und ein Vorstand konstituiert wurde, war Arlt sofort bereit, den Vorsitz zu übernehmen. Mit großem Engagement begeisterte Bernd Arlt die Alumni zu aktiver Beteiligung in all den 13 Jahren seines Vorsitzes im Club. Erst eine schwere Krankheit zwang ihn, von seinem Amt 2016 zurückzutreten. 

Geboren in Niederschlesien, wuchs er im Kreis Freiberg in Sachsen auf. Nach einer Lehre zum Maschinenschlosser legte er auf der Arbeiter- und Bauernfakultät (ABF) in Leipzig 1958 das Abitur ab. Es folgte das Medizinstudium an der Medizinischen Fakultät (Charité) der Humboldt-Universität zu Berlin. Seine Weiterbildung zum Facharzt für Chirurgie absolvierte er in der Chirurgischen Klinik bei Prof. Albert Schmauss im Krankenhaus im Friedrichshain. 

1973 verließ er unter abenteuerlichen Umständen mit seiner Familie das eingemauerte Ostberlin. Zunächst im Marien-Hospital in Herne tätig, erhielt er bald einen Lehrauftrag an der Universität Bochum. Hier habilitierte er sich mit dem Thema „Untersuchungen zur thyreotropen Partialfunktion des Hypophysenhinterlappens nach Schilddrüsenoperationen“, die Berufung zum Privatdozenten folgte.

Bald darauf wurde er Chefarzt am St. Josef Hospital Sterkrade in Oberhausen. Arlt baute das Hospital zu einer modernen Klinik für Chirurgie und zu einem Referenzzentrum für endoskopische Technik aus. Veröffentlichungen zu neuen Operationsverfahren waren wesentlicher Teil seiner wissenschaftlichen Tätigkeit.

Neben seiner beruflichen Tätigkeit war er aktiv als Extremsportler.   Bergsteigen und Radfahren waren seine Leidenschaften und die Organisation und Durchführung seiner Marathontouren durch viele Länder der Welt und die „Touren der Hoffnung“ zugunsten krebskranker Kinder weithin bekannt.

Bernd Arlt hat als Vorsitzender durch seine Energie, seine Ideen und seine Kontaktfähigkeit den Alumni-Club der Charité maßgeblich geprägt. Immer wieder gelang es ihm, für die Vortragsveranstaltungen des Alumni-Clubs angesehene Referenten aus der Medizin, aus den Naturwissenschaften, aber auch aus Politik und Sport zu gewinnen und damit die Attraktivität und Ausstrahlung des Clubs zu steigern. Auch die Verjüngung des Clubs und des Vorstands durch Aufnahme von Studierenden der Medizin ist seinen Bemühungen zuzurechnen. 

Die Gründung und der Fortbestand des Alumni-Clubs sind zu einem wesentlichen Anteil Bernhard Arlts Aktivitäten zu verdanken.  

Dem Vorstand des Alumni-Clubs der Charité war es ein großes Anliegen, seinem aus dem Amt scheiden müssenden Vorsitzenden zum Ehrenvorsitzenden zu ernennen. Die Urkunde, die ihm auf dem Krankenbett in Herne noch überreicht werden konnte, hat ihn sichtlich berührt und erfreut.

Ehrenmitglieder

Prof. Dr. Jens Reich

Am 22. Oktober 2016 wurde Prof. Dr. Jens Reich die Ehrenmitgliedschaft des Alumni Clubs der Charité überreicht. 

1939 in Göttingen geboren, hat er vor mehr als 50 Jahren sein Medizinstudium an der Charité in Berlin abgeschlossen, zusätzlich noch Biochemie studiert und 1979 eine Professur für Biomathematik am Zentralinstitut für Molekularbiologie in Berlin-Buch erhalten. Er hatte Gastprofessuren in Cambridge (USA) und Heidelberg inne und wurde 2004 am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) emeritiert. Dort war er Forschungsgruppenleiter in der medizinischen Genomforschung und zugleich Professor für Bioinformatik an der Humboldt-Universität zu Berlin. Diese nüchternen Daten kennzeichnen ihn als einen Mediziner und Molekularbiologen, einen Generalisten im besten Sinne und dennoch verraten sie nichts über seine herausragende Persönlichkeit und sein beispielhaftes, ja vorbildliches gesellschaftliches Engagement.

In den 1970er Jahren gründete er den „Freitagskreis“, der sich kritisch mit dem DDR-Regime auseinandersetzte und nahm dafür berufliche Herabsetzung in Kauf. 1989 war er Gründungsmitglied des „Neuen Forum“, dessen Wirken entscheidend zur friedlichen Revolution in der DDR beigetragen hat. Jens Reich war Abgeordneter der ersten frei gewählten Volkskammer und erhielt 1991 für die Bürgerrechtsbewegung den Theodor-Heuss-Preis. 1994 war er unabhängiger Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten. 

Der Bundestag berief ihn zum Mitglied des Nationalen Ethikrats, Bundestagspräsident Lammert zum Mitglied des Deutschen Ethikrats. 

Hier sollen nur einige seiner hohen Auszeichnungen genannt werden: 1996 die Verleihung der Lorenz-Oken-Medaille der Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte, 2009 war er erster Preisträger des Carl-Friedrich-von-Weizsäcker-Preises des Stifterverbandes der Deutschen Wissenschaft und der Leopoldina, im gleichen Jahr erhielt er auch den Schillerpreis der Stadt Marburg. Bereits als Jugendlicher gewann er den 2. Preis bei den DDR Jugendmeisterschaften im Schach.

In seinen späteren Jahren hat er sich verstärkt mit philosophischen und ethischen Fragen befasst und sich auch öffentlich dazu geäußert. Anlässlich seiner Emeritierung stellte der Vorstandsvorsitzende des MDC, Prof. W. Rosenthal, fest: „Seine Arbeit, sein Denken und seine Geradlinigkeit sind für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ein Vorbild. Er ist für uns von unschätzbarem Wert“. Die Mitglieder des Alumni-Clubs teilen diese Wertschätzung uneingeschränkt.

Prof. Dr. med. Horst Stobbe (1920 – 2015)

Als Autor, Herausgeber und Mitherausgeber einer Reihe von beachteten Fachbüchern war Horst Stobbe ein ausgewiesener Hämatologe an der Medizinischen Klinik der Charité mit nationalem und internationalen Bekanntheitsgrad.   Sein „Hämatologischer Atlas“ galt im In- und Ausland als Standardwerk.  

In Schlesien aufgewachsen, studierte er in Breslau und in Leipzig Humanmedizin. Am Bezirkskrankenhaus St. Georg in Leipzig absolvierte Stobbe seine Facharztweiterbildung Innere Medizin, dort wurde er auch promoviert.

An der 1. Medizinischen Klinik der Charité der Humboldt-Universität zu Berlin, unter dem Direktorat von Theodor Brugsch, begann er im Jahre 1953 mit dem Aufbau einer hämatologischen Abteilung. Diese entwickelte sich rasch zu einer national und international anerkannten Einrichtung, Horst Stobbe leitete sie bis zu seiner Emeritierung im Jahre 1985. 

Auch nach seiner aktiven ärztlichen und wissenschaftlichen Zeit blieb Stobbe in der Gesellschaft für Hämatologie und Bluttransfusion der DDR und in der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie engagiert und wurde Ehrenmitglied beider Gesellschaften.

Neben seiner Tätigkeit als  Arzt, Wissenschaftler und Hochschullehrer widmete er sich gern seiner künstlerischen Leidenschaft - der Malerei, Zeichnung und Grafik. Dieser ihn erfüllenden Betätigung konnte er im Ruhestand mehr Zeit widmen. Die mehrfache Teilnahme an Ausstellungen, so auch seine Präsentation während der Veranstaltung „Mediziner und Malerei“ in der Charité im Jahre 2010 sind Ausdruck seiner Aktivitäten.

Der Alumni-Club der Charité profitierte in vieler Hinsicht vom wissenschaftlichen und künstlerischen OEvre Horst Stobbes. Er dankte es ihm mit der Ernennung zum Ehrenmitglied im Jahre 2012. 

Prof. Dr. rer. nat. Dr. h.c. Günter Tembrock (1918 – 2011)

Professor Tembrock war allgemein anerkannt der bedeutendste Experte auf dem Fachgebiet der Verhaltensbiologie in der DDR. Seine Aktivitäten und Forschungen führten zur Gründung der „Forschungsstätte für Tierpsychologie“ am Zoologischen Institut der Humboldt-Universität zu Berlin. Diese Einrichtung war damit die erste verhaltensbiologische Forschungsstätte in ganz Deutschland.

In Berlin baute Tembrock ein Tierstimmenarchiv auf, das mit mehr als 100.000 Aufnahmen von hunderten Tierarten als das größte Europas gilt. Tembrock ist auch der Begründer des Begriffes „Bioakustik“. Populär wurde er in den 1980er-Jahren unter anderem mit seiner Fernsehsendung "Rendezvous mit Tieren". 

Günter Tembrock begann seine wissenschaftliche Laufbahn im Jahre 1937 als Student der Mathematik, Zoologie, Paläontologie und Anthropologie an der Friedrich-Wilhelm-Universität zu Berlin. Dieser später als Humboldt-Universität zu Berlin bekannt gewordenen Alma mater blieb er als aktiver Wissenschaftler bis zu seinem Lebensende treu.

Mediziner der älteren Generation, die an der Humboldt-Universität immatrikuliert wurden, lernten ihn im vorklinischen Unterricht im Fach Zoologie kennen und schätzen. Seine wissenschaftlich anspruchsvollen Vorlesungen waren wegen eines stets mitschwingenden Unterhaltungswertes sehr geschätzt.  Als einer der beliebtesten Hochschullehrer blieb er auch den nach der Studienzeit im Land verstreuten Medizinern durch seine populären Aktivitäten in Funk und Fernsehen weithin bekannt. Besonders beliebt und schnell vergriffen war eine Schallplatte mit Studentenliedern, gesungen von Universitätsprofessoren mit Günter Tembrock als Solisten! 

Auch noch als Emeritus beeindruckte er mehrmals als Vortragender bei den Treffen des Alumni-Clubs der Charité. Daher folgte der Alumni-Club gern dem Wunsche der Mitglieder, ihn im Jahre 2008 zum Ehrenmitglied des Alumni-Clubs der Charité zu ernennen.

Prof. Dr. med. Albert Schmauss (1915 -2010)

Professor Albert Schmauss war als Chefarzt der Chirurgischen Klinik am Krankenhaus im Friedrichshain ein bekannter und geschätzter Chirurg, und das nicht nur in Ost-Berlin.

Mithilfe seines fachlichen Könnens und seines wissenschaftlichen Interesses gelang es ihm, eine leistungsfähige Chirurgie an seinem Haus aufzubauen und darüber hinaus Impulse für die Entwicklung der Chirurgie in der damaligen DDR zu geben. Dazu trugen auch sein großes Engagement für eine fortschrittliche Aus-, Weiter- und Fortbildung in seinem Fachgebiet bei. Viele Studierende der Charité haben in Praktika und Famulaturen seine hohen fachlichen Ansprüche erfahren und seine klugen Fragen und strengen Prüfungen erlebt. Nicht wenige seiner hervorragend weitergebildeten Assistenten und Oberärzte sind später angesehene Chefärzte in ganz Deutschland geworden.

Schmauss wuchs in Bayern auf und studierte in München Humanmedizin. Seine klinische und chirurgische Weiterbildung begann er im Heimatkrankenhaus in Viechtach/Niederbayern, führte sie in Potsdam fort und beendete sie an der Charité als Facharzt für Chirurgie. Bei Prof. Willi Felix, dem damaligen Direktor der Chirurgischen Universitätsklinik der Charité an der Humboldt-Universität zu Berlin, konnte Schmauss seine Promotion und auch seine Habilitation fertigstellen.

Im Krankenhaus im Friedrichshain übernahm er 1963 die Leitung der Chirurgischen Abteilung

Und blieb dort bis zu seinem altersbedingten Ausscheiden im Jahre 1981.

Seine wissenschaftliche Tätigkeit fand Niederschlag in zahlreichen Publikationen und Vorträgen sowie Beiträgen in Fachbüchern. Zu Schmauss‘ Hauptarbeitsgebieten gehörten Probleme von Infektionen im chirurgischen Bereich, so besonders Forschungen auf dem Gebiet des Gasbrandes. 

Es war ein mutiges Zeichen von Schmauss, auch nach dem „Seitenwechsel“ seines Schülers Arlt die Verbindung zu ihm über Mauergrenzen hinweg aufrecht zu erhalten. Als Zeichen des Respektes und in Anerkennung seiner Leistungen auf dem Gebiet der Chirurgie wurde Prof. Schmauss im Jahre 2005 auf Anregung des damaligen Vorsitzenden des Clubs, Bernhard Arlt, Ehrenmitglied des Alumni-Clubs der Charité